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Medienkritik zur ungleichen Berichterstattung nach Gewalttaten

Medien haben eine besondere Verantwortung in der öffentlichen Meinungsbildung. Denn: Eine faire, ausgewogene und faktenbasierte Berichterstattung ist essenziell, um Vertrauen zu schaffen und
gesellschaftliche Spaltungen zu verhindern.


In den vergangenen Wochen haben wir jedoch erlebt, dass die bundesdeutsche Berichterstattung im Zusammenhang mit den Anschlägen der vergangenen Wochen und Monaten nicht von der gebotenen Neutralität geprägt ist. Vielmehr entfaltet eine besorgniserregende Doppelmoral in rasanter Geschwindigkeit spaltende Wirkung.


In der medialen Debatte wird zu häufig ein unreflektierter und simplifizierender Weg gewählt: Gewaltverbrechen, die von Menschen mit Migrationsgeschichte verübt werden, werden regelhaft in Debatten um Sicherheit und Integration eingebettet. Die Taten, die von Menschen ohne Migrationsgeschichte verübt werden, werden hingegen als Einzelfälle und häufig als unpolitisch eingeordnet.

Diese ungleiche Bewertung von Täterprofilen ist aus unserer Sicht nicht nur problematisch, sondern immens gefährlich: Sie verstärkt Vorurteile, spaltet die Gesellschaft und macht bestimmte Formen der Gewalt in ihrer Tragweite unsichtbar. Die Medienlandschaft muss, politisch neutral und im Sinne einer sorgfältigen Recherche und Faktenchecks primär die Motive hinter den Taten gezielt in den Blick nehmen.

Wenn sich zeigt, dass es sich wiederholt um psychisch erkrankte Menschen handelt, muss über bessere psychologische Betreuung und Zugänge zur psychiatrischen Versorgung in Deutschland gesprochen werden. Wenn es sich um aggressive Menschen handelt, sollte in Gewaltprävention investiert werden. Genauso wie bei extremistischen Tätern muss es um gezielte Extremismusprävention gehen. Nur durch eine ehrliche und sachliche
Auseinandersetzung mit den Ursachen von Gewalt lassen sich langfristige Lösungen finden.

Hetzerische Tonalitäten, die in Begriffsübernahmen aus dem rechten Spektrum, wie beispielsweise der “Afghanen-Flug”, manifestieren Vorurteile und verhindern eine differenzierte Diskussion über geeignete Konsequenzen, um zukünftige Taten zu verhindern. In diesem Sinne fordern wir nachdrücklich:

  1. Ein kritisches Bewusstsein für Narrative und Sprache, um ungewollte rassistische oder diskriminierende Untertöne in der Berichterstattung zu vermeiden.
  2. Die Sichtbarmachung aller Formen von Extremismus und Gewalt, insbesondere auch von rechtsextremen Bedrohungen, die in der öffentlichen Wahrnehmung häufig unterrepräsentiert sind.
  3. Eine konsequente und neutrale Berichterstattung, unabhängig von der Herkunft oder politischen Gesinnung der Täter.

Als Verband afghanischer Organisationen in Deutschland setzen wir uns
für eine inklusive, sachliche und differenzierte Debattenkultur ein. Denn: Gewalt ist niemals zu rechtfertigen – unabhängig davon, von wem sie ausgeht.

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